Jazzkeller-Atmosphäre im Probenlokal

Das Vereinslokal war am vergangenen Wochenende sowohl am Freitagabend als auch am Samstagabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Jazzige Grooves gleich wieder bei den ersten Takten von Duke Ellingtons „Take The A Train“. So kennt man sie die mittlerweile jährlich stattfindende Veranstaltung „It’s Jazztime“ des Musikverein Schönaich. Unter der Leitung von Klaus Kreczmarsky zelebrierten die 18 Musikerinnen und Musiker wieder einmal ihre Liebe zum Jazz. Seit Anfang November erarbeiteten Dirigent und Big Band wieder ein äußerst abwechslungsreiches Programm, das Conferenciern und Trompeter Wolfgang Völmle mit „Jazz, Blues und Swing, gewürzt mit einem Schuss südamerikanischen Rhythmen“ an-kündigte. Abseits ihrer sonstigen musikalischen Pfade zeigte die Formation von Beginn an, dass sie nicht nur vom Notenblatt ablesen, sondern auch swingen und mit improvisierten Soli aufwarten kann. „Lullaby of Birdland“ swingte dann auch schon mal sehr schön und Pianist Sebastian Neugebauer spann bei seinem Sollo hingebungsvoll schöne Melodiebögen. Bei der Samba „Mas Que Nada“ zeigte Ralf Proszamer, dass er nicht nur die tiefen Baritonsaxofon-Töne drauf hat, sondern auch mit hohem Querflötenklang den Latin-Groove bereichern kann. Als bereits aus dem Vorjahr bekannter Gast trat nach diesem Stück der „Roger Cicero von Schönaich“, wie ihn Völmle bezeichnete, auf die Bühne: Jochen Schild. Der Komponist und Musikproduzent kam erst vor wenigen Tagen aus Los Angeles zurück. Doch in Schönaich sollte er zeigen, was er als Sänger zu bieten hat.

Und in der Tat war eine Ähnlichkeit zu Roger Cicero nicht zu verleugnen. Er überzeugte vor allem, wenn er mit bluesigem Vibrato in höhere Lagen ging. Mit ausladenden Klatschbewegungen verstand er es auch bei Van Halens „Jump“ – hier in einer interessanten Version von Paul Anka – das Publikum mitzureißen. Blues sei nicht nur die Abkürzung von „Bremer Luftüberwachungssystem“, witzelte Ansager Wolfgang Völmle, sondern ein ernst zu nehmendes Gefühl, das vorrangig Männer heimsuche und im gleichnamigen Musikstil Ausdruck finde. Bei „Blues in the Night“ konnte Trompeter Thomas Klein mit klagendem Ton einmal mehr sein musikalisches Einfühlungsvermögen und seine beachtenswerte Technik unter Beweis stellen. Bei Phil Collins Nummer „Against All Odds“ griff Kreczmarsky zum ersten Mal selbst zum Instrument und überzeugte mit einem kraftvollen Altsaxofon-Solo. Er erntete dafür zahlreichen Beifall. Vor der Pause gab es noch die soulige Aretha-Franklin-Nummer „Think“, die für den Posaunisten Hans Bubser geradezu maßgeschneidert zu sein schien. Beim funkigen „Ease on Down The Road“ zeigte die Big Band, dass sie mit Unisono-Bläsersätzen am besten Punkten kann. Aber auch Astor Piazollas „Libertango“ unterstrich im Intro die beachtliche Bühnenpräsenz der Hobby-Musiker. „Murphys Gesetz“ – eine von Ciceros Paradenummern, war Sänger Jochen Schild schließ-lich auf den Leib geschneidert. Hier konnte er alle Register seines Könnens ziehen. Nach Santanas „Smooth“ und „Tiger of San Pedro“ kam zum krönenden Abschluss „Hawaii Five-O“, das bein manchem Gast ein zustimmendes Nicken und Lächeln auf dem Gesicht hervorrief. Die Band ließ die gleichnamige Fernseh-Krimiserie in Schönaich wieder aufleben. Altsaxofonist Bernhard Tistler intonierte eine schöne Überleitung in swingende Rhythmen, die in ein Finale Grande mündeten. Danach gab es Standing Ovations und an den lang ersehnten Feierabend war nicht zu denken. Mit den Zugaben „St. Louis Blues“ und „Mack The Knife“ kam der Konzertabend schließlich zu einem runden Abschluss.

Ganz herzlich bedanken möchte sich der Musikverein Schönaich bei seinen Vorverkaufsstellen Schuhhaus Bubser, Weinhaus Ulmer und Schreibwaren Dies+Das sowie bei seinen Sponsoren Reiterhof Wolf, ABL-Systemtechnik und Hifi+Wohnen Schild.

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