Bericht: Krimilesung des Musikvereins im Probenlokal

Spannung, Blasmusik und gutes Essen erstmals vereint

Zur besten Sendezeit lud der Musikverein Schönaich am vergangenen Freitagabend zur Krimilesung ein. Tatort war das Probenlokal. Zeugen des Mordes waren zahlreiche Schönaicher Krimifans, die mit Begeisterung den Ermittlungen von Kommissar Tsuval folgten – nein, kein Tippfehler, sondern der Name der Hauptfigur in Edi Grafs neuestem Werk: „Kriminalpolka“ – und mit einer Polka ging es auch los…
Für den Posaunisten von Pepe Plasmas Blasmusik hat es sich erst einmal ausgeblasen. Mitten im Konzert bleibt der über seinem Notenpult zusammengesackt liegen und erweist sich – nein, nicht als verschlafen – sondern als mausetot. Wunderbarer Zufall, dass sich im Auditorium Kommissar Tsuval befindet und sich gleich mit Tatendrang an die Aufklärung dieses mysteriösen Falles macht. Ein Giftpfeil im Hals des Opfers deutet auf Mord und auch der Gerichtsmediziner nimmt einen „Bittermandelgeruch“ wahr, was auf Zyankali hinweist. Mit der musikalischen Krimilesung wagte sich der Musikverein an ein Novum in seinem Unterhaltungsprogramm und schien ins Schware getroffen zu haben: Das Probenlokal war gut besucht, die Leute bestens unterhalten und das Projektorchester unter dem Dirigentenstab von Rainer Bauer, das sich eigens für diesen Abend zusammen gefunden hatte, spielte mit sichtlicher Freude.
Zudem war es an diesem Abend nicht nur akustisch ein Genuss, sondern auch optisch, denn alle Musiker waren in Tracht gekleidet. Auch das kulinarische Angebot passte. Es gab Krautsuppe, Wurstsalat oder eine herzhafte Vesperplatte. „Wenn ich gewusst hätte, dass der Wurstsalat in Schönaich so gut ist, hätte ich die Pause schon früher gemacht“, scherzte Edi Graf vor Beginn des zweiten Teils.
Undercover macht sich Privatdetektiv Rainer Tsuval an die Aufklärung des Tathergangs. Als Flötist getarnt ermittelt er inmitten des Orchestergrabens und stößt dabei – wie kann es anders sein – auf ein ganzes Szenario an menschlichen Abgründen: Eifersucht, Neid, Missgunst. Der Stoff aus dem die besten Krimis gestrickt sind – und dieser Zutaten bediente sich auch Autor Edi Graf. Mit viel Charme, Witz und Sarkasmus las Graf, der als freier Redakteur für den SWR arbeitet, aus seinem Werk. Pointenreich erfuhr das Publikum Details aus dem Leben des Opfers, Langfried Schieber und geriet dabei natürlich prompt auf die völlig falsche Spur – und schon bald geschah der zweite Mord.


Bizarr, spannend, überraschend und witzig zugleich. Zwischendurch gab es immer wieder Stücke des Musikvereins, die sogar in die Handlung passten und Edi Graf bezog das Orchester immer wieder in seine Lesung mit ein – glücklicherweise hatte das Orchester an diesem Abend keinen Posaunisten. Krimi und Musik auf gleichsam spannende wie unterhaltsame Art live auf der Bühne füllten einen schönen Abend.